Der hal­be Keks zum Kaf­fee – was er über unse­re Alters­vor­sor­ge ver­rät

In mei­nen Work­shops gibt es eine klei­ne Sze­ne, die regel­mä­ßig für Schmun­zeln sorgt.
Wir sit­zen bei einer Tas­se Kaf­fee.
Dazu wird – wie so oft – ein klei­ner Keks ser­viert.
Dann fra­ge ich mein Gegen­über:

„Darf ich Ihnen die Hälf­te des Kek­ses weg­neh­men?“

Fast immer kommt zunächst ein über­rasch­ter Blick.
Manch­mal wird gelacht.
Manch­mal wird der Keks sogar instink­tiv ein Stück näher an die eige­ne Tas­se gezo­gen.
Dabei geht es gar nicht um den Keks.

War­um uns Ver­lus­te stär­ker beschäf­ti­gen als Chan­cen

Die­se klei­ne Situa­ti­on zeigt etwas, das wir alle ken­nen:
Ein mög­li­cher Ver­lust beschäf­tigt uns meist stär­ker als ein mög­li­cher Gewinn.
Wenn ich Ihnen ver­spre­che, dass Sie in zehn Jah­ren viel­leicht mehr Geld haben, klingt das inter­es­sant.
Wenn ich Ihnen zei­ge, dass Ihnen im Ruhe­stand Monat für Monat meh­re­re hun­dert Euro feh­len könn­ten, wird das The­ma plötz­lich per­sön­lich.
Nicht, weil ich Angst machen möch­te.
Son­dern weil unser Gehirn so funk­tio­niert.
Wir reagie­ren schnel­ler auf das, was wir ver­lie­ren könn­ten, als auf das, was wir gewin­nen kön­nen.

Genau das pas­siert bei der Alters­vor­sor­ge

Vie­le Men­schen neh­men ihre spä­te­re Ren­ten­lü­cke heu­te noch gar nicht wahr.
Sie exis­tiert nicht sicht­bar.
Es fehlt heu­te nichts auf dem Kon­to.
Der All­tag funk­tio­niert.
Die Rech­nun­gen wer­den bezahlt.
Des­halb ent­steht leicht das Gefühl:

„Dar­um küm­me­re ich mich spä­ter.“

Erst kurz vor dem Ruhe­stand wird vie­len bewusst, dass nicht jemand etwas weg­ge­nom­men hat.
Son­dern dass sie sich über vie­le Jah­re nicht aktiv mit ihrer finan­zi­el­len Zukunft beschäf­tigt haben.

Die fünf Denk­feh­ler, die ich immer wie­der erle­be

In mei­nen Bera­tun­gen begeg­nen mir dabei häu­fig die­sel­ben Gedan­ken:

  • „Ich habe noch genug Zeit.“ Dabei ist Zeit einer der größ­ten Ver­bün­de­ten beim Ver­mö­gens­auf­bau.
  • „Die gesetz­li­che Ren­te wird schon rei­chen.“ Ob sie aus­reicht, hängt immer vom gewünsch­ten Lebens­stan­dard ab.
  • „Heu­te gibt es wich­ti­ge­re The­men.“ Ver­ständ­lich – doch genau des­halb wird Vor­sor­ge oft ver­scho­ben.
  • „Ich kann spä­ter immer noch ent­schei­den.“ Jede auf­ge­scho­be­ne Ent­schei­dung ver­kürzt den Zeit­raum, in dem Ver­mö­gen wach­sen kann.
  • „Ich küm­me­re mich erst dar­um, wenn es nötig wird.“ Lei­der ist dann oft ein Teil der Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten bereits ver­lo­ren.

Gute Bera­tung beginnt nicht mit Zah­len

Vie­le glau­ben, Finanz­be­ra­tung beginnt mit Tabel­len, Ren­di­ten und Pro­duk­ten.
Mei­ne Erfah­rung ist eine ande­re.
Sie beginnt mit einer ein­fa­chen Fra­ge:

„Wie möch­ten Sie spä­ter leben?“

Erst wenn die­ses Bild klar ist, bekom­men Zah­len eine Bedeu­tung.
Dann geht es nicht mehr um Ver­trä­ge.
Son­dern um Frei­heit.
Um Zeit.
Um Mög­lich­kei­ten.

Mein Impuls für Dich

Stell Dir heu­te ein­mal eine ein­fa­che Fra­ge:

Wenn Dir im Ruhe­stand tat­säch­lich jeden Monat „der hal­be Keks“ feh­len wür­de – wür­dest Du es erst dann bemer­ken wol­len? Oder lie­ber heu­te etwas dage­gen tun?

Finan­zi­el­le Vor­sor­ge beginnt nicht mit dem ers­ten Ver­trag.
Sie beginnt mit der Ent­schei­dung, die eige­ne Zukunft nicht dem Zufall zu über­las­sen.