Nach einem Vor­trag kam ein­mal ein Teil­neh­mer zu mir und sag­te:

„Eigent­lich haben Sie mir gar nichts Neu­es erzählt. Aber plötz­lich habe ich ver­stan­den, war­um ich end­lich anfan­gen muss.“

Die­ser Satz beglei­tet mich bis heu­te.
Denn genau dar­um geht es in mei­nen Vor­trä­gen.
Ich möch­te Men­schen nicht mit mög­lichst vie­len Infor­ma­tio­nen über­for­dern.
Ich möch­te ihnen hel­fen, ihre Zukunft kla­rer zu sehen.
Denn erst wenn jemand ein Bild davon hat, wie sein Leben im Ruhe­stand aus­se­hen soll, ent­steht die Moti­va­ti­on, heu­te zu han­deln.

Was mich dabei immer wie­der über­rascht:

Nicht feh­len­des Wis­sen ver­hin­dert gute Ent­schei­dun­gen.
Es sind oft hart­nä­cki­ge Irr­tü­mer.
Beim Stamm­tisch, in Inter­net­fo­ren oder im Freun­des­kreis höre ich sie immer wie­der. Man­che hal­ten sich seit Jahr­zehn­ten.

Hier sind fünf der häu­figs­ten Miss­ver­ständ­nis­se.

Irr­tum 1: „Die Ren­te kommt auto­ma­tisch.“

Ja, die gesetz­li­che Ren­te kommt auto­ma­tisch – aber die ent­schei­den­de Fra­ge lau­tet:

Reicht sie für das Leben, das Du Dir wünschst?

Vie­le Men­schen ver­las­sen sich dar­auf, dass „der Staat das schon regelt“. Erst kurz vor dem Ruhe­stand stel­len sie fest, dass zwi­schen Wunsch und Wirk­lich­keit oft eine deut­li­che Lücke liegt.

Die gesetz­li­che Ren­te ist eine wich­ti­ge Grund­la­ge. Für vie­le reicht sie allein jedoch nicht aus, um den bis­he­ri­gen Lebens­stan­dard zu hal­ten.

Irr­tum 2: „Die letz­ten Jah­re vor der Ren­te sind die wich­tigs­ten.“

Natür­lich kön­nen auch weni­ge Jah­re vor dem Ruhe­stand noch sinn­vol­le Ent­schei­dun­gen getrof­fen wer­den.
Der größ­te Hebel liegt jedoch viel frü­her.
Zeit ist einer der wich­tigs­ten Fak­to­ren beim Ver­mö­gens­auf­bau. Wer früh beginnt, kann regel­mä­ßi­ge Bei­trä­ge über vie­le Jah­re für sich arbei­ten las­sen.
Nicht die Höhe der Ein­zah­lung ent­schei­det allein.

Son­dern die Zeit.

Irr­tum 3: „Nach 45 Bei­trags­jah­ren kann jeder mit 63 ohne Abschlä­ge in Ren­te gehen.“

Die­se Aus­sa­ge höre ich beson­ders häu­fig.
Tat­säch­lich hängt der frü­he­re Ren­ten­ein­tritt von ver­schie­de­nen Vor­aus­set­zun­gen ab.
Unter ande­rem spie­len Geburts­jahr­gang, Ver­si­che­rungs­zei­ten und gesetz­li­che Rege­lun­gen eine Rol­le.
Die pau­scha­le Aus­sa­ge „45 Jah­re ein­ge­zahlt = mit 63 abschlags­frei in Ren­te“ stimmt des­halb für vie­le Men­schen nicht.

Hier lohnt sich eine indi­vi­du­el­le Prü­fung.

Irr­tum 4: „Ich muss mei­ne gesam­te Ren­te ver­steu­ern.“

Auch das stimmt so nicht.
Ob und in wel­cher Höhe Steu­ern anfal­len, hängt unter ande­rem vom Jahr des Ren­ten­ein­tritts, wei­te­ren Ein­künf­ten und per­sön­li­chen Frei­be­trä­gen ab.
Vie­le Men­schen zah­len weni­ger Steu­ern, als sie befürch­ten.
Ande­re wie­der­um unter­schät­zen ihre spä­te­re Steu­er­be­las­tung.

Des­halb ist es sinn­voll, sich früh­zei­tig mit die­sem The­ma zu beschäf­ti­gen.

Irr­tum 5: „Jeder muss bis 67 arbei­ten.“

Die gesetz­li­che Regel­al­ters­gren­ze bedeu­tet nicht auto­ma­tisch, dass jeder tat­säch­lich bis 67 arbei­ten muss.
Man­che Men­schen kön­nen frü­her auf­hö­ren.
Ande­re ent­schei­den sich bewusst dafür, län­ger aktiv zu blei­ben.
Der ent­schei­den­de Punkt lau­tet:

Wer finan­zi­ell gut vor­be­rei­tet ist, hat mehr Wahl­mög­lich­kei­ten.

Und genau dar­um geht es letzt­lich.
Nicht um ein bestimm­tes Alter.
Son­dern um die Frei­heit, selbst ent­schei­den zu kön­nen.

War­um die­se Irr­tü­mer so hart­nä­ckig sind

Die meis­ten Men­schen tref­fen ihre finan­zi­el­len Ent­schei­dun­gen nicht auf­grund von Geset­zen oder Tabel­len.
Sie ori­en­tie­ren sich an dem, was sie irgend­wann ein­mal gehört haben.
Ein Gespräch im Bekann­ten­kreis.
Ein Zei­tungs­ar­ti­kel.
Ein Kom­men­tar im Inter­net.

Doch Geset­ze ändern sich. Per­sön­li­che Lebens­si­tua­tio­nen auch.
Des­halb lohnt es sich, ver­meint­li­che Gewiss­hei­ten regel­mä­ßig zu hin­ter­fra­gen.

Mein Impuls für Dich

Fra­ge Dich heu­te ein­mal ehr­lich:

Wel­che Dei­ner Über­zeu­gun­gen zur Ren­te beru­hen auf gesi­cher­tem Wis­sen – und wel­che auf Aus­sa­gen, die Du irgend­wann ein­mal über­nom­men hast?

Manch­mal reicht es, einen ein­zi­gen Irr­tum zu erken­nen.
Denn aus Klar­heit ent­ste­hen bes­se­re Ent­schei­dun­gen.
Und genau dar­um geht es: nicht irgend­wann mit der Alters­vor­sor­ge zu begin­nen – son­dern dann, wenn Du noch die größ­ten Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten hast.